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ASR - Wie arbeitet ein Netzteil?
Sie haben eine neue Komponente für Ihre Hifi Anlage gekauft, zum
Beispiel einen Verstärker. Zu Hause schließen Sie
das Gerät ganz selbstverständlich zur Energieversorgung an die
Steckdose an. Wie das überhaupt funktioniert, wie die Zusammenhänge
sind, was dabei zu beachten ist, soll Gegenstand dieses kleinen
einführenden Artikels sein. Damit wir
die Grundlagen erstmal ver-stehen lernen bleibt's am Anfang etwas
technisch. Wie sich diese ganze Technik auf unser
Musikerlebniss auswirkt, wird später erörtert.
Hifi Geräte arbeiten mit Gleichspannung, unser Stromnetz liefert
Wechselspannung!
Fast alle elektronischen Geräte arbeiten mit Gleichspannungen.
Hifi Geräte mit Transistoren wer-den mit Gleichspannungen
von 12 - 100 Volt betrieben. Röhren benötigen höhere Gleichspan-nungen
von bis zu 500 Volt. Unser Lichtnetz stellt uns aber eine Wechselspannung
von 230 Volt mit einer Frequenz von 50 Hertz bereit. Diese muß
erst mal umgewandelt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Wechsel- und Gleichspannung?
Bei einer Gleichspannung ( zum Beispiel aus einer Batterie
) haben die beiden Anschlüsse der Spannungsquelle immer die gleiche
Polarität, der eine ist Plus, der andere ist Minus. Bei einer
Wechselspannung ändert
sich diese Polarität dauernd. Die Anzahl der vollständigen Wechsel
in einer Sekunde wird in
der Einheit Hertz gemessen. Unser Stromnetz arbeitet mit 50 Hertz.
Der Strom fließt 50 mal
in einer Sekunde in die eine Richtung (positive Halbwelle) und
50 mal in der Sekunde in die
andere Richtung (negative Halbwelle). Dabei hat die Schwingung
die Form einer Sinuskurve.
Dabei sollten wir schon an dieser Stelle beachten, daß die Spannung
dabei 100 mal in der Sekunde den Maximalwert
erreicht und 100mal in der Sekunde Null ist!
Warum arbeitet unser Stromnetz mit Wechselspannung?
Unser elektrische Energieversorgung ist zentral mit wenigen großen
Kraftwerken aufgebaut. Deshalb muß die Energie über weite
Strecken mit möglichst geringen Verlusten transportiert werden
können. Dafür braucht man sehr hohe Spannungen von bis zu 400.000
Volt. Mit diesen sehr hohen und deshalb gefährlichen Spannungen
können wir zu Hause natürlich nichts anfangen. Also müssen wir
die Spannungen
in andere Höhen umsetzen. Und das geht besonders leicht mit Wechselspannungen
mit einem sogenannten Transformator. Diese sehr hohen Spannungen
von der Überlandleitung werden in
der Stadt erst mal auf 20.000 Volt umgesetzt. In der Nähe Ihrer
Wohnung steht dann wieder ein kleines Transformatorenhäuschen,
aus dem Ihr Haus mit den uns bekannten 230 Volt versorgt wird.
Was ist Drehstrom?
Heutzutage wird praktisch jedes Haus für besonders kräftige Stromverbraucher
wie Herde und Durchlauferhitzer mit 400 Volt Drehstrom
versorgt. Was ist das? Ganz einfach drei Wechelspannungen, die
jeweils um ein Drittel der gesamten Schwingungszeit versetzt sind.
Die Generatoren im Kraftwerk erzeugen sowieso alle Drehstrom.
Unser übliche Wechselspannung von 230 Volt ist also im Prinzip
nichts anderes als ein Drittel des Drehstroms!
Für was wird brauchen wir diesen Drehstrom? Für sehr hohe Belastungen
ab 3000 Watt (ein üblicher Durchlauferhitzer nimmt 18.000 Watt
auf) liefert unsere normalen Wechselspannung nicht genug Strom.
Mit Drehstrom laufen große Motoren besonders gleichmäßig. Aus
Drehstrom, das sei hier schon mal vorausgeschickt, lassen sich
auch besonders gut sehr gleichförmige und saubere Gleichspannungen
erzeugen: Die brauchen wir in unseren Hifi Geräten.
Ein Verstärker erzeugt aus Gleichspannung Wechselspannung!
Um die heutzutage am üblichen dynamischen Lautsprecher anzutreiben,
brauchen wir Wechselspannungen im Bereich von mindestens 20 bis
20.000 Hertz. Diese Spannung soll so gut wie möglich den Schwankungen
des Luftdrucks entsprechen,
die wir als Töne und wenn's harmonisch ist, als Musik hören. Geliefert
wird uns diese Spannung vom Tonabnehmer des
Plattenspielers, wo dies in den Auslenkungen der Rille gespeichert
ist, oder im CD Spieler, wo ein digitales Abbild der Töne gespeichert
wurde.
Ein Verstärker erzeugt diese Wechselspannungen, indem er mehr
oder minder große Teile einer möglichst konstanten Gleichspannung
auf den Lautsprecher gibt. Dies regelt er mit einem sehr schnell
reagierenden Bauteil, so daß am Ausgang diese Wechselspannung
anliegt. Damit diese Wechselspannung möglichst genau der Musik
entspricht, sollte die Gleichspannung möglichst sauber, gleichmäßig
und ungestört sein, so wie sie eine Batterie oder ein Akku liefert.
Und
je hochwertiger die Quelle dieser Gleichspannung ist, desto besser
wird das Ergebnis. Wenn wir aber ein Gerät an der Steckdose betreiben,
so müssen wir erst mal aus der Wechselspannung des Stromnetzes
eine Gleichspannung machen.
Wie wird die Gleichspannung im Netzteil erzeugt?
Schauen wir uns dafür als Beispiel mal einen ganz normalen Transistorverstärker
mit 2x 150 Watt Sinusleistung an 8 Ohm Lautsprechern an :
Als erstes wird die Netzspannung von 230 Volt mit einem Transformator
in zwei Wechselspannungen von 40 Volt umgesetzt. Ein Transformator
ist im Prinzip eine ganz einfache Sache : Ein Kern aus magnetisierbaren
Material ( meistens Eisenblech )
ist mit mehren Wicklungen Kupferdraht versehen. Die Wicklung für
die Eingangsspannung hat zum Beispiel 230 Windungen, die beiden
für die Ausgangsspannungen haben jeweils 40 Windungen. Jetzt legen
wir 230 Volt Wechselspannung an die Eingangswicklung, wodurch
in dem Eisenkern ein magnetisches Wechselfeld entsteht, was im
Takt mit der Eingangsspannung mit 50 Hertz schwingt. Dadurch wird
in den beiden Ausgangswicklungen eine Ausgangsspannung erzeugt
(induziert), die analog der Zahl der Windungen jeweils 40 Volt
beträgt. Diese beiden Wechselspannungen können jetzt gleichgerichtet
werden. Dafür verwendet
man Dioden, die Strom nur einer Richtung fließen lassen, und in
der anderen Richtung sperren. Mehrere solcher Dioden werden zu
einem Brückengleichrichter zusammen geschaltet, der die Wechselspannung
in eine Gleichspannung verwandelt. Diese Gleichspannung ist aber
noch lange nicht so "gleich" wie gewünscht, sondern ist 100 mal
in der Sekunde maximal und 100 mal Null. Jetzt kommt ein weiteres
Element ins Spiel, das diese "gepulste" Gleichspannung in eine
glatte, für den Verstärker brauchbare verwandelt. Denn es darf
ja wohl nicht sein, daß 100 mal in der Sekunde keine Energie für
die Lautsprecher zur Verfügung steht.
Kondensatoren glätten die pulsierende Gleichspannung
Dafür braucht man einen Energiespeicher, der dann wenn die Spannung
hoch ist, Energie aufnehmen kann, und wenn keine da ist, diese
auch wieder abgeben kann. Im Prinzip macht das jeder Akku, aber
die chemischen Reaktionen sind für unsere Zwecke zu langsam. Zur
Glättung von Wechselspannungen verwendet man Kondensatoren.
Im Prinzip ein ganz einfaches Bauteil: zwischen zwei Folien aus
Metall ( den Elektroden ) befindet sich eine isolierende Schicht,
das sogenannte Dielektrikum. Legt man eine Spannung an, so entsteht
eine elektrische Feld zwischen den beiden Folien. Nimmt man dann
die Spannung wieder weg, so bleibt dieses Feld solange bestehen,
bis man die elektrische Ladung wieder entnommen hat.
Was passiert also wenn man einen genügend großen Kondensator an
den Brückengleichrichter anschließt: Steigt die Gleichspannung
an, so fließt ein elektrischer Strom in diesen Kondensator und
lädt ihn auf. Dies geschieht bis zum maximalen Wert der Spannung.
Wenn dann die Ladespannung wieder sinkt, bleibt die Spannung am
Kondensator erst mal auf der vollen maximalen Höhe. Jetzt fließt
ein Strom aus dem Kondensator zum Verbraucher, in unserem Falle
dem Verstärker. Dadurch sinkt die Spannung am Kondensator wieder.
In der Zwischenzeit geht die pulsierende Ladespannung aus dem
Netzteil auf Null und steigt dann wieder an.
Wenn die Ladespannung wieder mindestens so hoch gestiegen ist,
das Sie höher als die Spannung am Kondensator ist, wird
dieser wieder bis zur maximalen Spannung geladen. Dann wird der
Kondensator wieder entladen, geladen, entladen und so fort. Dabei
entsteht aber keine richtig gut gleichmäßige und saubere Gleichspannung
wie aus einer Batterie! Diese mit einem solchen konventionellen
Netzteile erzeugte Spannung schwankt im Takt der 100 Hertz der
Ladespannung. Weil man einen Ton von 100 Hertz als tiefes Brummen
wahrnimmt, wird dieser Schwankungsanteil als Brummspannung bezeichnet.
Der Transformator arbeitet nur einen kleinen Teil der Zeit!
Strom aus dem Transformator über den Gleichrichter in den Kondensator
und den Verstärker fließt praktisch nur kurze Zeit, wenn die Wechselspannung
Ihren Spitzenwert hat. Im Prinzip wird nur in diesen kurzen Momenten
Energie aus dem Stromnetz entnommen ! Und in dieser kurzen Zeit
wird die ganze Energie für den kompletten Betrieb des Verstärkers
umgesetzt!
Das hat aber noch einen ganz wesentlichen Nachteil: Da nur ganz
kurze Zeit Energie aus dem Netz entnommen wird, wird das Netz
im Prinzip auch nur in dieser ganz kurzen Zeit belastet. Dadurch
verformt sich dann der Spannungsverlauf weg von der idealen Sinuskurve
zu einem eckigen "Irgendwas". Schauen sie sich mal an, wie so
ein Netzsinus in Realität aussieht!
Die Gleichspannung aus dem Netzteil ist ungleichmäßig!
Den größten Teil der Zeit versorgt sich unser Verstärker aus dem
Kondensator, dessen Spannung ja zwischen den Lade-
zeiten kontinuierlich sinkt! Die Spannung ist also weit davon
entfernt, so glatt und gleichmäßig zu sein wie aus einer Batterie.
Und man kann sich ja leicht denken, was für Auswirkungen diese
ungleichmäßigen Versorgungsspannung auf den Klang
haben wird! Jeder Verstärker kann, abhängig von seiner Konstruktion,
Störungen seiner Versorgungsspannung bis zu einem gewissen Maß
"wegregeln". Dies stört den Verstärker aber bei der wichtigsten
und eigentlichen Aufgabe, ein genaues Abbild der Musik zu liefern.
Ein gleichmäßige und ungestörte Versorgungsspannung ist für einen
guten Klang unverzichtbar.
Wie macht man die Gleichspannung sauberer?
Also werden wir versuchen, diese Spannung ein wenig gleichmäßiger
zu machen. Eine Möglichkeit ist, ganz einfach den Kondensator
größer zu machen. Der doppelte Wert bedeutet ungefähr halb so
hohe Brummspannung. Einfach, aber teuer.
Eine weitere Möglichkeit ist es, die Gleichspannung zu regeln.
Dazu geben wir über ein Art einstellbaren Schalter, den sogenannten
Spannungsregler, die unsaubere Spannung auf einen weiteren Kondensator,
aber immer nur soviel, daß ein etwas geringerer Spannungswert
dort ankommt. Jetzt überwachen wir diese Spannung und vergleichen
sie mit einem Sollwert. Ist sie kleiner als der Sollwert, öffnen
wir diesen Schalter und laden den Kondensator, ist sie zu hoch,
schließen wir den Schalter. Damit können wir schon ohne großen
Aufwand eine gleichmäßigere Spannung erhalten. Leider ist auch
die nicht perfekt, sondern schwankt immer ein wenig um den Sollwert.
Und zwar meistens, je nach Auslegung dieses Spannungsreglers mit
einer
viel höheren Frequenz als die 100 Hertz Brummspannung. Und das
kann man hören! Außerdem ist ein guter Spannungsregler praktisch
fast so aufwendig wie der ganze Rest vom Verstärker. Deshalb werden
praktisch nur Vorstufen mit geringem Stromverbrauch geregelt,
bei den Leistungsverstärkern ist dies eine ganz seltene Ausnahme.
Und ein Regler muß im Klang auch nicht besser sein als eine große
Menge Kondensatoren. Da hat man es wenigstens nur mit Störungen
im Bereich von 100 Hertz zu tun, ein Regler kann neue Störungen
bis zum Mega- Hertz Bereich produzieren
Warum große Transformatoren?
Je größer wir aber den Kondensator machen, desto mehr Energie
müssen wir in kurzer Zeit aus dem Transformator
herausholen! Das heißt, die sogenannten Ladestrompulse werden
auch wesentlich größer. Ein kleiner Trafo ist dadurch leicht zu
überfordern!
Der Ausweg ist ein großer Transformator mit einem dicken Eisenkern
( Der die Energie auch etwas speichert ), und dadurch nicht so
schnell zusammenbricht. Leider ist so ein großer Transformator
schwer, unhandlich, sehr teuer und hat ein starkes magnetische
Feld um sich herum. Dieses magnetische Feld kann dann in die empfindlichen
Bauteile des Verstärkers hineinstreuen und dadurch den Klang verschlechtern.
Außerdem vibriert jeder Trafo auch mechanisch, das man Ihn allein
schon deshalb möglichst weit entfernt von den empfindlichen Bauteilen
des Verstärker einbauen sollte! Also, nehmen wir doch lieber gleich
ein separates Netzteil! Das nimmt zwar Platz weg, ist aber die
einzig konsequente Lösung!
Ein Verstärker braucht meistens nur wenig Strom
Wie laut hören sie? Zimmerlautstärke im normalen Wohnraum? Wieviel
Watt braucht man dafür? 50, 10 oder 5 Watt?
Nein noch viel weniger, meistens gerade mal 1/10 Watt! Deshalb
braucht unser Verstärker normalerweise auch nur ganz
wenig Strom, je nach Konstruktion vielleicht gerade mal 50 Watt.
Besonders der Transformator und die Endstufen haben kräftige Verluste
auch schon im Leerlauf.
Von der herein gesteckten Energie kommt also meistens nur ein
kleiner Teil beim Lautsprecher an. Anders sieht es aus, wenn's
mal laut zugeht. Für einen kräftigen Baßschlag können schon mal
2x 200 Watt nötig sein! Die meisten Verstärker haben nur 60 %
Wirkungsgrad, brauchen also mal auf die schnelle gut 680 Watt.
Und wenn der Lautsprecher einen niedrigen Innenwiderstand hat,
können auch ganz schnell mal 2000 Watt in der Spitze daraus werden.
Und das ist doch schon ein riesiger Unterschied. Im Durchschnitt
sind es doch höchstens mal 100 Watt, auch wenn Sie
nahe an der Schmerzgrenze hören. Aber diese Spitzenleistung muß
das Netzteil schon mal verkraften können. Es muß besonders von
seinem Trafo her kurze Zeit enorme Leistung liefern können. Was
passiert, wenn wir versuchen mehr Leistung herauszuholen als er
verkraften kann : Der Eisenkern kann diese hohen magnetischen
Felder nicht mehr aufbauen und wird "übersättigt". Dabei begrenzt
er seine Ausgangsleistung, und die Wechselspannung die er abgibt
wird unsauber. Damit wird natürlich auch die daraus abgeleitete
Gleichspannung gestört. Dadurch arbeitet auch der Verstärker nicht
mehr so sauber, seine Ausgangsspannung wird verformt und durch
die hohen Frequenzen die dabei entstehen gestört. Der Verstärker
klingt dann hart und scharf.
Also brauchen wir Transformatoren, die schon im Leerlauf effizient
arbeiten, dabei aber auch mal für kurze Zeit sehr hohe Leistung
liefern können. Das ist im Prinzip fast ein Widerspruch in sich,
denn kleine Trafos können keine hohen Spitzen-
leistungen liefern, große Trafos brauchen mehr Ruhestrom. Ein
Trafo für einen Verstärker mit seinem stark wechselnden Leistungsbedarf
ist also ein Spezialfall.
Ein wenig Trafo- Technik
Jetzt steigen wir mal ganz tief in die Materie ein und besprechen
den Aufbau verschiedener Typen von Netztransformatoren.
Der auch heute noch am meisten eingesetzte Typ hat einen Wickelkörper,
auf den die Wicklungen einfach von außen aufgebracht werden. Dann
werden die M förmigen Bleche mit Ihrer inneren Lasche in diesen
Wickelkörper von beiden Seiten eingesteckt. Das magnetische Feld
fließt also nicht nur in der Spule, sondern auch außen herum.
Man hat einen sehr großen Blechkörper, in dem sich die magnetische
Energie gut verteilt.

Heute modern sind die sogenannten Ringkern- Transformatoren. Um
einen runden, geschlossenen Kern werden die Spulen gewickelt.
Das ist von der Theorie her ideal,
da der Kern sich nur innerhalb der Spule befindet. Dadurch dringt
weniger Feldenergie nach außen, das sogenannte Streufeld wird
geringer, und der Trafo arbeitet effizienter. Warum hat man denn
diese Sorte von Trafo nicht schon früher genommen, und warum werden
auch heute noch die meisten Trafos
mit den sogenannten Mantel Kernen aufgebaut?
Das hat zwei Gründe:
Zuerst mal ist so ein Ringkerntrafo schwierig zu fertigen. Der
Kupferdraht für die Spulen muß nämlich immer wieder durch das
Loch im Ringkerns gesteckt werden und die Spule ist deshalb nur
schwer gleichmäßig und sauber zu wickeln. Beim normalen Trafo
werden einfach die Kupferdrähte auf den offenen Spulenkörper sauber
nebeneinander gewickelt, und die Bleche später eingesteckt.
Der zweite Grund ist die Qualität des Kernmaterials. Das für Trafokerne
verwendete Eisenblech kann nur ein magnetische
Feld bis zu einer gewissen Stärke verkraften, dann ist es "gesättigt".
Der Kern eines Ringkerntrafos ist viel kleiner als ein vergleichbarer
M Kern und muss deshalb auch viel mehr magnetische Energie verkraften
können. Und so hochwertiges Trafoblech ist nun mal sehr teuer
und war früher kaum verfügbar. So ein kleiner Kern hat noch einen
andern Vorteil : Das Trafoblech braucht auch einen gewissen Anteil
der Leistung für sich selbst für die sogenannten Ummagnetisierungsverluste,
die es in Wärme umsetzt. Und ein kleiner Kern hat logischerweise
weniger Verluste. Dafür aber einen anderen Nachteil: Er kann auch
nur weniger magnetische Energie übertragen. So gibt es hier, wie
überall im Leben keine absolut optimale Lösung die nicht noch
andere Nachteile hätte : ein Ringkerntrafo erwärmt sich weniger,
kann deshalb auf lange Zeit gleichmäßig viel Energie übertragen.
Dafür kann er nur wenig und für kurze Zeit überbelastet werden.
Ein herkömmlich aufgebauter Trafo braucht wegen seinem dicken
Kern schon im Leerlauf mehr Energie, erwärmt sich deshalb mehr
und kann daher weniger Dauerleistung verkraften. Aber er kann
sehr gut mal für kurze Zeit stark überbelastet werden !
Und genau das brauchen wir für unseren Audio Verstärker.
Wenn wir die Baugröße der beiden Trafotypen mal vergleichen, so
ist ein für 500 Watt Dauerleistung ausgelegter Ringkerntrafo 5
kg schwer, ein M Kern 10 Kilo. Der Ringkern überträgt aber in
der Spitze vielleicht mal nur 800 Watt, der M Kern aber bis zu
2000 Watt! Wenn wir es also auf die Spitzenleistung beziehen,
werden beide Typen doch wieder gleich groß und schwer.
Und man kann ja beim konventionellen Aufbau vom Standard M Kern
auch auf die wesentlich höherwertige PM
(Philbert - Mantelschnitt) Bauweise übergehen. Und für den Trafokern
genauso hochwertiges Kernmaterial verwenden wie
bei den Ringkerntrafos. Damit erhält man einen sehr effizienten
Trafo mit geringer Eigenerwärmung und fast unglaublicher Spitzenbelastbarkeit.
Nur wird sowas sehr teuer und kann aufgrund des großen Streufeldes
kaum mehr sinnvoll in ein Gehäuse zusammen mit der empfindlichen
Verstärkerelektronik gepackt werden. Ein separates Netzteil wird
notwendig und ist auch allein schon wegen der Vibrationen der
Trafos sinnvoll.
Nachdruck aus der Zeitung des Hifi Zirkels No. 2/98
Autor: Friedrich Schäfer
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